Wanlik Hüs, friesische Spezialitäten

Testbericht Restaurant Wanlik Hüs in St. Peter-Ording

Seit nunmehr 15 Jahren erfreue ich mich regelmäßig an Besuchen des friesischen Restaurants Wanlik Hüs in St. Peter-Ording. Das Wanlik Hüs ist das älteste Haus (1656) am Platz und für seine ausgezeichnete kulinarische Qualität bekannt. Diese verdankt es dem Pächter Otto Braun, der über 30 Jahren den Ruf des Hauses geprägt hat. Über die Jahre wurden viele Menschen von ihm bedient; egal ob prominent oder nicht, jeder wurde gleich freundlich und zuvorkommend bedient. In diesem Jahr fand nun ein Pächterwechsel statt. Menslink prüft, ob die aus der alten Speisekarte bekannten Gerichte auch weiterhin dem über Jahrzehnte bestehenden Anspruch gerecht werden.

Folgende Gerichte wurden getestet:

Vorspeise: Krabbensuppe für 5,80 €

 Hauptgericht 1: Lammhaxe mit grünen Bohnen im Speckmantel und Bratkartoffeln für 15,80 €

 Hauptgericht 2: Lammfilet mit mediterranem Gemüse und Bandnudeln für 21,90 €

Die Vorspeise: Krabbensuppe

Vor dem Pächterwechsel
Die Krabbensuppe im Wanlik Hüs war sets eine Klasse für sich. Der Löffel stand fast in der Cremigkeit und der Geschmack war einzigartig, weich und unvergleichlich. Auch der Anteil frischer Krabben war bemerkenswert.

Nach dem Pächterwechsel
Serviert wird die Suppe nicht mehr in einer weißen Suppentasse, sondern in einer kleinen schwarzen Steingutschüssel. Die Suppe ist wässerig, die Sahnehaube entspricht der Konsistenz von Sprühsahne. Die Suppe wird lauwarm serviert und der Geschmack kommt eher einem Tütensuppenprodukt gleich, denn einer anständig zubereiteten Krabbensuppe in einem norddeutschen Spitzenrestaurant. Gut, der Preis frischer Krabben ist derzeit sehr hoch, aber bei einem Preis von 5,80 € ist es dennoch unverschämt, wenn die Krabben einen marginalen Anteil zum Gesamtprodukt beitragen.

Da ist eine gute Dose Krabbensuppe von eines namhaften Konservenherstellers aus Büsum vorzuziehen.

Fazit: unterirdisch

Lammhaxe mit grünen Bohnen im Speckmantel und Bratkartoffeln

Vor dem Pächterwechsel
Die Lammhaxe war vom Preis-Leistungsverhältnis das Topeinsteigerprodukt des Hauses, wenn es um Produkte rund um das zarte Deichlamm aus der Region geht. Oft gab es auch 2 Lammhaxen auf dem Teller. Dazu gab es knusprige Bratkartoffeln, die Bohnen im Speckmantel waren für meinen Geschmack zwar immer etwas trocken, aber der Geschmack war abgerundet. Die Soße war ein Gedicht, dunkel, kräftig. Erst sie rundete das Mahl ab. Und vor allem über die letzten 15 Jahre immer in der gleichen Qualität.

Nach dem Pächterwechsel
Wanlik Hüs, St. Peter-Ording, Lammgerichte
Das Fleisch der Lammhaxe war im Großen und Ganzen ordentlich zubereitet. Was allerdings auffiel, war, dass es nach nichts schmeckte. War es früher noch einzigartig gewürzt, schmeckte es jetzt nach nichts. Daran änderte auch der Rosmarinzweig nichts, der sich aus Dekozwecken mit auf dem ebenfalls aus Steingut gefertigten Teller befand.

Die Bohnen im Speckmantel schmeckten nach angebranntem Schinken, die Röstaromen auf dem Foto zeigen warum. Von den feinen Bohnen war geschmacklich nichts zu spüren. Sie gingen erbarmungslos unter.

Den Bratkartoffeln fehlte dafür das Röstaroma und sie waren total weich. Die Schinkenwürfel waren ok und die Zwiebeln roh. Alles in Allem kommen diese Bratkartoffeln auf Kantinenniveau. Die Kartoffeln selbst hatten wenig Geschmack.

Dieses für mich legendäre Gericht, das mit vielen Erinnerungen verknüpft ist, war der totale Reinfall. Das Essen war einfach nicht rund, die einzelnen Elemente harmonierten nicht. 

 Fazit: handwerklich und geschmacklich mangelhaft

Lammfilet mit mediterranem Gemüse und Bandnudel

Wanlik Hüs, St. Peter-Ording RestaurantkritikIch selbst habe dieses Gericht nicht gegessen, daher kann ich mir mein eigenes Urteil nicht erlauben. Allerdings hat mir meine Partnerin folgendes berichtet:

Das Fleisch an sich war zart, wie man es von einem guten Filet erwarten darf. Das Filet war allerdings nicht ordentlich pariert, so dass es nicht vollständig von Sehnen und Haut befreit wurde. Daher war es stellenweise recht zäh.

Das mediterrane Gemüse war an einigen Stellen überwürzt, teilweise scharf, an anderer Stelle war es dafür etwas fad.

Die Bandnudeln waren zu trocken, zu hart und es mangelte ihnen an Salz.

Also auch hier eine Qualitätsstufe, die einen Preis von 21,90 € in keiner Weise rechtfertigt. Hier lag es nicht an der Qualität der Zutaten, sondern an der mangelnden Qualität des Kochs.

 Fazit: handwerklich und geschmacklich mangelhaft

Ambiente und Ausstattung

An der ursprünglichen historischen Einrichtung im Wanlik Hüs wurde nicht viel verändert. Das Mobiliar wurde erhalten. Allerdings wunderte es mich schon, dass mir vor dem Essen ein Besteckteller mit Messern und Gabeln der Marke Pulsiva vorgesetzt wurde. Es handelt sich hier um Discountbesteck der Gastroszene. Ein Besteck, das ich eher in einer Dönerbude als in einem hochpreisigen Restaurant erwartet hätte.

Statt auf Porzellan wird beim Geschirr auf Steingut gesetzt. Auf Tellern in der halben Größe eines halben Ofenblechs verliert sich das Essen. Die Geschirrfarbe schwarz mag vielleicht in einem guten Convenience Food Restaurant als schick ankommen, in einem historischen, friesischen Spitzenrestaurant bedeutet es einen absoluten Stilbruch.

Zwei weitere Nachteile des Geschirrs sind, dass es laut ist und von 3 Tischen um uns herum der Kellnerin gegenüber bemängelt wurde, dass das Essen schnell auskühlt. Dies konnten wir ebenfalls bestätigen.

Bedienung: Freundlichkeit und Service

Positiv ist uns aufgefallen, dass die Bedienung sehr zuvorkommend, freundlich und in keiner Weise aufdringlich war. Wir waren mit unserem Hund dort und als erstes wurden wir gefragt, ob der Hund ein Schälchen Wasser bekommen darf, das dann auch vor der Bestellung direkt geliefert wurde.

Hintergrund für den Pächterwechsel ist übrigens nicht, dass Herr Braun den Pachtvertrag aus Altersgründen (mittlerweile über 70 Jahre alt) auslaufen lassen wollte; im Gegenteil, er hatte ihn 2014 um weitere 5 Jahre verlängert. Allerdings wollte der Verpächter, laut gut informierten Quellen, die monatliche Pacht von einem Jahr aufs nächste verdoppeln.

Fazit:

Das Wanlik Hüs hat durch die neue Geschäftsführung massiv an Qualitatät und Stil eingebüßt.

Wir können von einem Besuch des Wanlik Hüs derzeit leider nur abraten.

Hier muss sich einiges tun, wenn das neue Modell aufgehen soll und sich nicht ein Pächterkarussell in Gang setzt, das den guten Ruf des Hauses entgültig ruiniert.

Geprüfte Lokalität:

Wanlik Hüs
Dorfstraße 27
25826 Sankt Peter-Ording

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